Das PR-Disaster der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Wer mal wieder ein Beispiel für ein richtiges Social-Media-PR-Disaster sehen will, sollte sich die Facebook-Seiten der Initiative Soziale Marktwirtschaft ansehen (https://www.facebook.com/Marktwirtschaft?fref=ts), besonders die Diskussionen um TTIP und Co. Da sitzen anscheinend PR-Leute, die sich auf einem Feldzug befinden, Nutzer ironisch abkanzeln, mit den immer gleichen nichtssagenden Informationen antworten und glauben, das sei glaubwürdige Kommunikation. Besonders lustig ist es an Sonntagen, denn da bezahlen sie offensichtlich niemanden dafür, den Leuten zu antworten und die können endlich mal ganz unter sich diskutieren (übrigens in aller Regel recht zivilisiert und mit guten Argumenten).

Was ich mich bei so etwas immer frage ist, ob die PR-Leute, die da sitzen bzw. die Leute, die diese eingestellt haben oder beauftragen, wirklich daran glauben, dass sie auf diese Weise wirklich etwas bewirken… außer das genaue Gegenteil. Offensichtlich können oder wollen sie tatsächlich nicht zur Kenntnis nehmen, was sie dort anrichten. Vielmehr fühlen sie sich ganz offensichtlich im Recht, und statt einzusehen, dass es besser wäre, den geordneten Rückzug anzutreten, machen sie sogar noch weiter und versteigen sich immer mehr.

Abgesehen von diesem extremen Negativ-Beispiel (ein paar andere würden einem ach noch einfallen, etwa die Seite der Bundesregierung) wirkt es übrigens auch sonst in vielen Fällen alles andere sympathisch, auf facebook als Institution zu kommunizieren. Man kann keinen Dialog mit einer Marke haben, genau genommen kann man noch nicht mal mit einem Unternehmen einen Dialog haben. Man wäre ja schon sehr froh, wenn man immer eine ordentliche Antwort auf geschäftliche E-Mails oder Beschwerden bekäme. Und man sollte sich als Institution vor allem nicht ständig in alles einmischen und kommentieren. Brandeins zum Beispiel macht wunderschöne Posts auf Facebook, die ich gerne teile. Aber ich möchte einfach nicht auf jeden Kommentar von mir eine Antwort von deren Online-Redaktion lesen (egal ob zustimmend oder ablehnend). Man möchte eigentlich in Kommunikation mit anderen Lesern treten, aber genau die wird dadurch verhindert.

Auch die dazugehörige PR-Kampagne “das Deutschlandprinzip” der Initiative NSM könnte Studenten als abschreckendes Beispiel dafür dienen, wie man so etwas genau NICHT machen sollte (Lauter Männer, die üblichen Lobbyisten-Nasen und die eine Quotenfrau – Suckale natürlich) mit ein paar neoliberalen Schlagwörtern (“Regulierung abschaffen, Bürokratie abschaffen – warum sie dann etwa für ein Bürokratiemonster wie CETA mit tausenden von bedruckten Seiten eintreten wird für immer ihr Geheimnis bleiben). Wenn man sich überlegt, wie viel Geld für so eine Kampagne ausgegeben wird und was man dafür sinnvolleres hätte tun können…schon tragisch. Es ist offenkundig, warum Berater ihre Auftraggeber nur selten vor solchem Unfug bewahren bzw. ihnen genau einen solchen Unfug liefern. Es würden ihnen einfach ein Millionen-Auftrag flöten gehen. Oder – in den allermeisten Fällen – die PR-Berater glauben einfach selber an das was sie tun. Wie kann das sein?

Die amerikanisch Soziologin Mary Douglas hat mit Referenz auf die Arbeiten von Ludwig Fleck sehr schön beschrieben, wie unmerklich Institutionen unser Denken prägen (“Wie Institutionen denken” ). Wer auf die genannte Frage eine Antwort sucht (und auf eine ganze Reihe von anderen Fragen nach dem Verhalten von Managern und Politikern und wie dies zu erklären ist), wird in diesem Buch mit Sicherheit fündig werden:
“The individual within the collective is never, or hardly ever, conscious of the prevailing thought style which almost always exerts an absolutely compulsive force upon his thinking, and with which it is not possible to be at variance. (Fleck 1935, S. 41, zit, nach Douglas, S. 13)

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